Angst, Orgasmus und der Tod

 

ist eine autobiografische Erzählung aus der Zeit von 1970 bis 77. 

1970 war ich 18 Jahre alt.

Es geht um Angst, Liebe, Sex und Drogen und einen jungen Mann, der davon träumt, ein wildes Leben zu führen, berühmt zu werden und viele Frauen zu haben.

Als ich diese Erzählung vor ungefähr 20 Jahren schrieb, hatte ich immerhin eines davon erreicht, ich war mit vielen Frauen im Bett. Deshalb dachte ich mir, du kennst dich aus mit Frauen, dann schreib doch darüber. Aber heute glaube ich, dass ich überhaupt keine Ahnung von Frauen habe. Weil ich mich in Wahrheit nie für sie interessiert habe, außer dafür, in sie einzudringen und meine Lust mit Ihnen zu erleben und  von ihnen geliebt zu werden oder was ich unter Liebe so verstand. Das ist natürlich eine ganze Menge aber nicht viel, wenn man an die ganze Gedanken und - Gefühlswelt eines Menschen denkt.

Außerdem war ich meistens von Haschisch berauscht während ich schrieb und beflügelt von dem Gedanken, eine großartige Story zu liefern. Ich dachte, das war doch irgendwie abenteuerlich und großartig mein Leben damals, so viele verschiedene Orte, so viele Erlebnisse, so viele verschiedene Frauen, die Höhepunkte, die Abbrüche, die Aufbrüche. Und dort wo es nicht so großartig war, da machte ich es eben großartig, ich dramatisierte, überhöhte, verklärte.

Als ich den Text jetzt 2018 wieder las, ging mir das auf die Nerven. Also habe ich bei der Neu-Überarbeitung genau das Gegenteil gemacht, ich hab die Geschichte entdramatisiert, verkleinert,  ich habe aufgeklärt, nüchtern betrachtet und den Helden der Geschichte als kleinen Gauner dargestellt, damit kommt die Geschichte der Wahrheit näher. Obwohl es natürlich nicht die ganze Wahrheit ist. Kleiner Gauner oder großer Held, das ist eine Frage der Betrachtungsweise.

Allerdings, was mir damals großartig vorkam, entpuppt sich heute ganz ohne Drogenrausch mit klarem Verstand betrachtet als ein Sumpf von Lug und Betrug. Ich habe den Frauen nur das gesagt, was sie mir gewogen machen sollte und äußerst selten die Wahrheit, ich habe dazu beigetragen, dass meine Geliebte unser Kind abtrieb und ich war nicht im Krankenhaus als es geschah, ich floh. Ich ging von einer Frau zur anderen, manchmal hatte ich zwei oder drei, hielt mir alte Freundinnen warm für Notzeiten, in denen ich Wärme brauchte, ohne ihnen natürlich zu sagen, dass da noch eine andere oder gar zwei andere waren. Möglichst viele Frauen mit mir ins Bett zu bringen hielt ich für eine Art Sport.

Zugleich war da noch etwas anderes: Die Suche nach der großen Liebe, die Sehnsucht nach Ekstase, nach dem religiösen Erlebnis, mich selbst aufzulösen, zu sterben im Orgasmus.

Aber da wo ich dies alles annähernd so fand, floh ich, aus Angst, gebunden zu werden für immer.

In meinem rücksichtslosen Bestreben, nicht zu überhören und zu verklären, sondern aufzuklären, deckte ich vieles auf, was einfach peinlich ist. Dieses Peinliche ist vermutlich der eigentliche Stoff, aus dem diese Geschichte besteht.

Zugleich bringt diese Geschichte viel Kolorit aus der Zeit der Siebziger Jahre mit sich, das einem Leser viel Vergnügen bereiten könnte, entweder wieder in dieser Zeit einzutauchen oder sie erst so von innen her gesehen zu entdecken.

Quelle der Inspiration beim Schreiben: Karl Ove Knausgard und Sven Regener.

 

331 Seiten.