Hallo! Alle mal herhören!

Gott spricht

 

 

Bericht über das Leben mit Gottes Stimme

und Gespräche mit

Manfred und Ursula Schmidt, Martin Wahl, Torsten Wolf, Randy Dodd, Jim Wilder, Jörg Ahlbrecht, Armin Hartmann, Stephane Tibi.

 

 

1. Kapitel:

 

Terror - Stille

 

Strebt nach der Liebe!

Bemüht Euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber um die Gabe der prophetischen Rede!“

Johannes, 1.Korinther, 14,1

 

 

Mein Reich ist da,

ist schon da,

wie der Sonnenglanz in einem traurigen Hinterhof,

wie das Aufgehen der Sonne in einer finsteren Nacht,

die sich allmählich in einen Morgen verwandelt.

Wach auf, freue Dich!

Jesus ist gekommen, Jesus ist in Dein Leben getreten,

in das Leben der Menschheit.

Jetzt ist wieder Hoffnung auf der Erde,

das Tor ist offen,

komm zu mir!

 

 

Gott! Was macht er? Er drückt mir von oben ein Messer in die Schulter, schneidet tief hinein, ich ducke mich, um dem Schmerz zu entkommen, kann aber nicht fliehen, weil ich irgendwie gefesselt bin, innerlich und wieder ein Schnitt, jetzt weiter unten auf dem Rücken und noch ein Schnitt, jetzt vorne auf der Brust, ich sitze in meinem Auto, einem silbergrauen Mercedes, das Dach ist offen, Lionel Richie steht vor der Tür, thront übergroß über mir, ich sehe sein Messer blitzen, ein langes großes Messer, metallisch hell und er schneidet noch mal tief rein, es tut wahnsinnig weh, ich kann nicht mehr, schnappe nach Luft, schreie nicht, bleibe stumm und noch ein Schnitt, ich schließe den Schmerz in mich ein wie eine giftige Kapsel, die ein Selbstmörder schluckt, jetzt lässt er von mir ab, ich springe aus dem Wagen, will weg, laufe schon davon, da ruft er mich zurück, wie benommen und von Angst gebannt komme ich zurück und wieder schneidet er zu und ich ducke mich zu Boden und dann noch ein Schnitt und noch einer, irgendeine Wut muss ihn antreiben,

endlich lässt er von mir ab und ich wanke davon....

Zuhause angekommen schaue ich in den Spiegel und sehe meinen ganzen Oberkörper rot in Blut getaucht.

Ich wache auf wie ein Ertrinkender, der an die Wasseroberfläche kommt und sich festsaugt am Odem des Lebens, springe wie besessen aus dem Bett und betaste meinen Körper, alles ist in Ordnung, es tut weh , aber auf eine seltsame schwer fassbare Weise, mein Körper ist vereist, eingefroren, zusammen gezuckt und verkrampft, keine Wunden, aber doch Phantomschmerzen, was war das denn und wieso Lionel Richie?

Den hab ich doch schon Jahrzehntelang nicht mehr gehört und kann mich nur noch vage an seine Songs erinnern, die mal große Hits waren und mir durchaus geläufig als ich ein junger Mann war und eine Frau, in die ich zutiefst verliebt war, einige Zeit lang von ihm schwärmte, der schwarze Soulstar mit seinen Mega-Hits...

Williams, natürlich Williams fällt mir ein, es war Williams, der mich immer so groß anschaut, wenn ich ihm sage, er soll ebenfalls mitsprechen, wenn ich etwas vorspreche, wie die anderen auch, oder endlich still sein und nicht ständig den Unterricht stören mit seinem Gequassel, das er manchmal ununterbrochen über den ganzen Raum hinweg seiner afrikanischen Geliebten, die ihm ein paar Meter entfernt gegenüber sitzt, zuschickt, die zurück schäkert, und das in einer Sprache, die ich nicht verstehe, vermutlich ein afrikanisch gefärbtes Französisch, womit sie jedenfalls den ganzen Unterricht stören...Seine Geliebte ist sie nicht im landläufigen Sinne, aber er ist wohl in sie verliebt, weil er ständig um sie herumstreicht wie ein heißer Hund.

Seit zwei Monaten unterrichte ich diese Klasse jetzt, es ist ein sogenannter Integrationskurs, der von Niveaustufe 1 der absoluten Anfänger bis zu B1 führt, wo sie sich einigermaßen klar über Alltagsdinge und schon noch etwas darüber hinaus verständigen und austauschen können. Das dauert knapp ein halbes Jahr, was mit einer Prüfung abgeschlossen werden soll, alles vom Staat bezahlt, jedenfalls bei den meisten, die diese Integrationskurse machen, die keine Arbeit haben und so fit gemacht werden sollen für den Arbeitsmarkt.

Der Kurs findet in einem hässlichen Gebäude statt, das einmal der deutschen Firma Telefunken gehört hat, die irgendwann in den letzten Jahrzehnten pleite gegangen sein muss, ein riesiger Backsteinbau im Norden von Berlin, der ziemlich leer steht. Schon wenn man die Eingangshalle betritt, wird man schier erschlagen von einem Gefühl der Depression, ein halbdunkler Raum, rechts blinkt ein Lastenaufzug vor sich hin, auf den man ewig warten muss, manchmal kommt er auch gar nicht, hinten der Blick auf einen weiten Hinterhof, umgeben von anderen Industriegebäuden, Lastwagen, Müllcontainer, der weite leere graue Platz...Andererseits, wenn man durch das Gebäude streicht und die vielen leer stehenden Räume sieht, kriegt man Lust, sie zu füllen, etwas zu unternehmen, etwas anzufangen.... dieses seltsame Berlin-Gefühl zwischen Abriss und Neuanfang...zwischen Depression und Euphorie.

Die meisten in meinem Kurs sind schon ein paar Jahre in Deutschland, Abdullah zum Beispiel, der Alte aus Afghanistan, ist schon 15 Jahre hier wie auch Shoba, die immer Kopftuch trägt, sie ist aus dem Libanon und ebenfalls schon 15 Jahre, andere wie Ali aus Afghanistan sind fünf oder sechs Jahre hier, ein paar sind erst vor ein paar Monaten gekommen wie Bassel aus Syrien, Saran, deren Eltern aus Neu-Guinea stammen und die in Italien aufgewachsen ist, ansonsten gibt es noch Türken, eine Frau aus Polen, eine aus Rumänien, ein Bulgare, eine Muslimin aus dem Kosovo, eine Spanierin, eine dicke, immer freundlich lächelnde Frau, die bei der Supermarktkette Lidl in Spanien gearbeitet hatte, aber weil Ihr Mann, ein Afrikaner, keinen Job mehr fand, jetzt nach Berlin gezogen ist, wo ihr Mann Arbeit hat.

Williams ist acht Monate hier, so sagte er und als einziger hat er wohl für seinen Kurs selbst bezahlt. Als ich ihn frage, woher er das Geld hat, wo er doch gar nicht arbeitet, gab er keine Antwort, wie er überhaupt äußerst kurz angebunden war auf meine Fragen. Gleich in der ersten Woche setzte ich mich in die Mitte des Halbrundes der Tische und wollte mal in aller Ruhe mit jedem einzelnen etwas sprechen über seine Lage, woher er kommt, wie die Situation in seiner Heimat so ist, wie er hier hergekommen ist und wie es ihm jetzt so geht. Die meisten antworteten bereitwillig, Williams aber nicht. Er schaute mich an, als sei ich ein Kripo-Beamter beim Verhör und als wolle er keine Fehler machen indem er unbedacht eine Äußerung von sich gibt, die ihm hinterher zu seinem Nachteil ausgelegt werden könnte.

Das einzige, was ich jetzt von ihm weiß, ist, dass er aus Kamerun kommt, das ist in Westafrika, ein Land, das neben Nigeria liegt und in einem schmalen Handtuch von gebirgigen Regionen bis zur Küste sich erstreckt, im Norden soll wie im Norden von Nigeria auch die islamische Terror-Gruppe Boko Haram wüten....

Außerdem sei er mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen, so sagte er jedenfalls....

Manchmal kocht die Wut in ihm, er kann sich kaum beherrschen.... Wenn ich sage, „Noch fünf Minuten“, während er wütend verlangt, dass jetzt sofort Pause gemacht werde, steht er mit grimmigem Blick auf, scheppert mit seinen Büchern und Sachen herum, zieht sich demonstrativ mit staksig angespannten Bewegungen die Jacke über und kommt dann auf dem Weg zur Tür so auf mich zu, dass er mich fast mit seiner Schulter rammt. In solchen Momenten kann ich förmlich spüren, dass er kurz vor der Explosion steht, dass er einen Granatengürtel umgebunden hat, der hoch gehen könnte.

Er ist ziemlich klein, seine Hautfarbe sehr dunkel und seine Augen blähen sich oft so weit auf, dass sie wie große weise Kugeln aus seinem schwarzen Kopf starren. Ist es vielleicht sein Stolz als Schwarzer und als Mann, der sich verletzt fühlt, wenn ich als Lehrer die einfachsten Regeln des Verhaltens und der Mitarbeit einfordere, denke ich dann, hat er irgendwelche traumatischen Erfahrungen gemacht, war er Soldat?

Der Papst ist schlecht, ein sehr böser Mann!“ sagte er einmal, als das Thema auf den Islam kam und Ali, der junge Afghane, immer wieder sagte, wie „Scheiße“ er finde, was die Terroristen in Paris und in Afghanistan machen.

Williams sagt, er sei in einem Sport-Internat aufgewachsen, vielleicht geleitet von weisen Missionaren? Ich weiß es nicht....

Was soll ich tun?, fragte ich Gott

 

Du solltest mit ihm reden, hören, wie es ihm geht, woher er kommt, aus welchen Umständen, ihm Liebe und Aufmerksamkeit schenken

 

Gottes sanfte Stimme....

Das Gespräch hätte ich schon letzte Woche suchen sollen, aber am ersten Tag hatte ich keine Zeit, weil unsere kleine Anna krank war und die Mutter, Sophie, meine Hilfe brauchte, am zweiten Tag hatte ich mein Anliegen einfach vergessen. Und ich unterrichte diesen Kurs nur zwei Tage in der Woche.

So ernst nehme ich was Gott mir sagt....

Es ist auch Angst, ich hab Angst, was soll ich ihn fragen und wird er antworten? Soll ich ihn fragen, ob er Erfahrungen mit Gewalt gemacht hat und werden wir uns genug verstehen? Ich meine, rein sprachlich verstehen?

Egal, nächste Woche rede ich mit ihm....

 

 

 

Wir schweigen jetzt sieben Minuten“ sagt der Leiter unserer kleinen Gruppe, die sich im Kreis versammelt hat, um von Gott Botschaften zu empfangen. Die sind gedacht für einen der sieben Menschen, der sich bereit erklärt hat, als Adressat dieser Mitteilungen zu dienen. Ab und zu ist das Geräusch eines vorbeifahrenden Zuges zu hören, ansonsten ist es still, Vögel zwitschern, ein Tag im Juni, der Himmel bewölkt, es ist ziemlich kühl, angenehm kühl.

Einschließlich des Leiters sind wir acht Menschen, drei Männer und fünf Frauen im Kreis. Das ist so die übliche Mischung in religiösen, spirituellen Veranstaltungen aller Art, immer sind mehr Frauen da als Männer... Es gibt acht solcher Kreise im Saal. Es ist ganz still jetzt. Wir befinden uns in einem Bürokomplex eines Industriegebiets in Nürnberg. Sechzig Leute sind gekommen, um das Hören von Gottes Stimme zu lernen in einem Seminar mit dem Titel „Hörendes Gebet“.

Hören ist wahrscheinlich das falsche Wort. In der Regel hört man Gottes Stimme nicht, man nimmt sie wahr, weil sie wie ein Gedanke erscheint. Es kann schon mal vorkommen, dass Gottes Stimme richtig laut wird, so dass man glaubt, andere könnten sie auch hören, so laut scheint sie in einem selbst zu erschallen, aber das kommt sehr selten vor. Normalerweise sind es Gedanken, die eine leicht akustische Qualität zu haben scheinen, eine sanfte Stimme, die zu Dir spricht....

Aufgeteilt in zehn Gruppen, betreut von ausgebildeten Leitern, sitzen die Lernwilligen in Stuhlkreisen zusammen, die Köpfe gebeugt, in sich versunken... „Ob ich jetzt etwas sehen oder hören kann?“ denke ich, während ich mit geschlossenen Augen ins Dunkle starre.

Und wenn mir jetzt gar nichts einfällt und Gott zu mir überhaupt nicht spricht?“ denke ich noch und etwas krampft sich in mir zusammen und da sehe ich schon wie sich Wolken zusammenballen, dunkel erst und sich dann aber lösen, heller werden und ich sehe Regentropfen wie Tränen zu Boden fallen und da höre ich auch schon den Text dazu, was das bedeuten soll. Da seien Schmerzen in ihrem Leben, aber sie soll sie lösen in Tränen, sich das Weinen erlauben, Gottes Liebe ergießt sich in Tränen über sie, in Tränen der Liebe. Dieses schöne Wort bildet sich in mir: Tränen der Liebe.

Ich höre nicht den Text dazu, ich nehme ihn als Gedanken in mir wahr.

Ich bin glücklich, dass ich überhaupt etwas empfangen habe und halte es in meinem Gedächtnis fest wie eine kostbare Perle, halte es ganz fest und lass es nicht mehr los, feile noch an dem Text etwas herum... wie ein Lektor an einem Gedicht. Wenn ich es losgelassen hätte und mich innerlich leer gemacht hätte, vielleicht hätte ich noch mehr empfangen, denke ich jetzt...zu spät. Aber vielleicht war das dann auch alles, dieses eine Bild.

Ein Bild empfangen und die Auslegung dieses Bildes seien zwei verschiedene Dinge, sagt Ulrike Schmidt, die mit ihrem Mann Manfred zusammen dieses Seminar vor über zehn Jahren schon entwickelt hat und es seitdem jährlich mehrmals in verschiedenen Städten Deutschlands abhält. Wenn man aber nur ein Bild empfange, dann könne man Gott auch darum bitten, einem die Erklärung des Bildes nachzuschicken, als Untertitel sozusagen.

Das Arrangement, dass man jemand aus der Gruppe auswählt, den man auch überhaupt nicht kennen soll vom Leben außerhalb der Gruppe und ihn zum Adressaten macht der Mitteilungen, die man für ihn von Gott empfangen will, hat den Grund, dass man damit vermeiden will, dass man schon zu viel weiß über ihn oder, falls man sich selbst zum Adressaten der Mitteilungen machen wollte, über sich selbst. All dieses Vorwissen könnte die Mitteilungen färben und filtern und es könnten sich eigene Gedanken hineinmischen, so aber hat man ein fast weises Blatt vor sich und lässt die empfangenen Gedanken hineinfließen in einen offenen Raum, bei dem man nicht weiß, ob sie bei dem Menschen, für den sie gedacht sind, einen Anklang finden oder einfach völlig daneben gehen.

Nach sieben Minuten teilen wir unsere empfangenen Botschaften mit. Da ich neben dem Leiter sitze, wählt er mich als ersten aus und erst jetzt schau ich mir die Frau, für die unsere Mitteilungen gedacht sind, genauer an, vorher war gar nicht die Zeit dazu.

Sie ist um die sechzig Jahre alt, grauhaarig, schlank, zierlich, mit wachen blitzenden Augen, sie lächelt, hat ein sympathisches Gesicht.

Sie nimmt meine „Tränen der Liebe“ aufmerksam und offensichtlich gerührt entgegen. Zu meiner Überraschung sagt die Frau neben mir etwas ganz ähnliches, irgendwas mit Wasser, einen Psalm über eine Palme am Wasser und das Wasser ist kostbare Nahrung für sie und Gott verspricht ihr diese Nahrung immer zu geben. Die zweite Frau daneben bedankt sich für ihre Liebe, die sie vielen Menschen gibt. Jetzt fällt mir zum ersten mal auf, dass sie ein kleines rotes Signum auf ihrem hellblauen Hemd trägt: Das Schriftzeichen der Heilsarmee. Der Leiter der Gruppe hat ein schönes Bild von Rosen für sie, die vom Himmel fallen, in ihre Arme.

Nachdem alle Teilnehmer ihre Botschaften mitgeteilt haben, ist es an ihr, zu sagen, ob und inwiefern sie mit diesen Nachrichten etwas anfangen konnte. Sie ist etwas wortkarg und zurückhaltend, aber es ist deutlich zu sehen, dass sie bewegt ist. Die kleine alte Frau fühlt sich beschenkt und ist den Tränen nahe.

 

Um Nachrichten von Gott zu empfangen, müsse man innerlich still werden und sich entspannen, sagt Ursula Schmidt und alle Vorstellungen darüber, was jetzt zu geschehen habe oder was jetzt kommen sollte, ablegen und loslassen... Wie jemand, der möchte, dass ein Schmetterling bei ihm lande, könne man gar nichts tun, außer seine Hand ausstrecken und regungslos offen lassen, sobald man nach dem Schmetterling schnappe und nach ihm jage, würde er die Flucht ergreifen. Auch Kinder kommen gerne zu Dir, wenn Du Dir Zeit lässt, bei ihnen zu sein und ihnen mit Freundlichkeit begegnest. Sobald Du sie habgierig an dich ziehen willst, entwinden sie sich, fühlen sich gefangen und beengt, wenn Du aber geduldig und liebevoll in ihrer Nähe bist, suchen sie irgendwann auch Deine Nähe und klettern auf deinen Schoss.

Also allen Leistungsdruck ablegen und sich entspannen, wenn nichts kommt, dann kommt eben nichts, auch das ist in Ordnung“ sagt Ursula Schmidt.

Aber wie können wir denn herausfinden, ob wir selbst es sind, die uns etwas vor spinnen, oder ob es Gott ist, der zu uns spricht? Ganz zu schweigen von dämonischen Stimmen, die zu uns sprechen könnten?

Satanische Einflüsterungen zu erkennen sei relativ leicht, wenn man als Christ einen gewissen Reifegrad und ein bestimmtes Wissen erreicht habe. Da müsse man einfach zwischen der biblischen Wahrheit und den empfangenen Botschaften vergleichen. Wenn man höre, dass es wunderbar sei, eine zweite Frau zu haben und ganz in Ordnung, sich auf eine Beziehung mit ihr einzulassen, könne man sicher sein, dass das nicht Gottes Stimme sei. Auch den Rat, etwas zu stehlen, könne man getrost dem Teufel zu rechnen. Schwieriger sei es, zwischen eigenen Gedanken und göttlichen zu unterscheiden. Da müsse man sorgsam prüfen, Hundert Prozentige Gewissheit gebe es nicht. Man müsse prüfen, ob das Empfangene die eigenen Wünsche widerspiegele, ob es dem entspreche, was man jemandem schon immer mal sagen wollte...falls man für jemand anderen etwas empfängt. Wenn man jemand schon immer mal etwas sagen wollte, dann sollte man das besser selbst sagen, ohne das als Gottes Stimme auszugeben. Es könne auch sein, dass man intuitiv beim anderen etwas gespürt habe, etwas erahnt und gefühlt habe, was in ihm gerade vorging.

Da sei es wichtig, sich nicht in den anderen einzufühlen, sondern sich an Gott zu wenden. In stark emotional aufgewühlten Momenten sei es sehr schwierig, Gottes Stimme zu hören, das sei als ob eine leise Stimme sich in einem Orkan bemerkbar machen wolle. Sie dringt einfach nicht durch.

Bei wichtigen Fragen wie Berufsentscheidungen oder einer Heirat müssten wir mehrmals fragen und darauf vertrauen, dass wir mehrmals Bestätigungen für eine gewisse Entscheidung bekommen, uns Zeit lassen und den Rat weiser Menschen suchen. Wir müssen uns bescheiden. Wir sind uns nicht sicher. „Unser Erkennen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk“ sagt der Apostel Paulus in seinem ersten Brief an die Korinther (Vers 13, 9. Abschnitt ).

Es kann aber auch durchaus sein, dass Gott uns in vielen Fragen die Freiheit lässt, zu entscheiden, wie wir es für gut halten und sich dabei gar nicht einmischt.

Wenn wir Christen sind, haben wir den heiligen Geist in uns, der uns sanft in die richtige Richtung lenkt.

 

 

Als ich mich bereit erkläre, nun von der Gruppe mit Botschaften Gottes bedacht zu werden, schießt Angst in mir hoch. „Mein Gott, was hält Gott jetzt für mich bereit, werde ich bestraft vor aller Augen, habe ich eine harte Lektion zu hören? Oder was?“

Aber dann fällt mir ein, dass ich ja mit Gott sprechen kann und ich frage Gott:

Was ist los? Warum habe ich so viel Angst?“

Ich liebe dich“ kommt sofort die Antwort.

Du bist mein Schatz, ich liebe dich!“

Wie schon gesagt ist „Hören“ nicht ganz der richtige Ausdruck, es ist mehr ein Wahrnehmen einer leisen Stimme, die in Gedanken spricht.

Gottes Liebe ist wie die Sonne. Sie ist immer und überall da. Streck dich ihr entgegen, lass dich von ihr wärmen!“ ist die erste Botschaft, die ich höre, von der Frau neben mir, nachdem wir sieben Minuten geschwiegen hatten. Die zweite Frau in der Runde hat mich mit einem Rucksack auf dem Rücken einen Berg hinaufstürmen sehen, dem Gipfel entgegen, voller Energie, aber auch rastlos, ohne Blick für die Schönheit der Landschaft auf dem Weg, außerdem sah sie mich entspannt in einem Liegestuhl in einem gepflegten Garten ruhen....Eine bewusste Balance zwischen beiden Polen sei empfohlen. Ich muss an den Liegestuhl in dem schönen Garten hinter dem Haus denken, in dem ich zur Zeit wohne. Manchmal sitze ich in diesem Liegestuhl und genieße die sanfte wunderbare Schönheit der Natur um mich herum.

Eine andere Frau hat nur dieses eine Wort empfangen: Treue. Und außerdem den Kommentar dazu, dass ich treu und standfest sei und das Gott gefalle. Das höre ich gerne: Treue ist für mich ganz klar und so fest wie das Amen in der Kirche. Daran gibt es keinerlei Rütteln. Meine Ehe ist von heftigen Krisen erschüttert worden aber nie habe ich auch nur einen Moment daran gedacht, zu fliehen oder mich scheiden zu lassen. Ganz im Gegensatz zu der Zeit als ich noch nicht Christ war, wo ich mich nie auf eine fest Beziehung eingelassen hatte, ganz zu schweigen auf eine verbindliche Ehe und von Treue so viel hielt wie Hans Albers sang in seinem Matrosenlied: „ Das Treusein, so sprach er, ich kann es.....versuchen, ich wars ja noch nie, wirds ein Junge so nenn ihn Johannes, wirds ein Mädchen so nenn es Marie. Er ist nicht zur Hochzeit gekommen, er war auch zur Taufe nicht da, sie hat einen andern genommen und zu dem sagt Johannes „Papa“.

Die vierte Frau im Kreis hat den Psalm 126 empfangen, der voll Jubel ist über die Befreiung des jüdischen Volkes aus der Gefangenschaft und Sklaverei. Auch das höre ich gerne, denn auch ich habe zu jubeln und zu danken für Gottes Hilfe, mich aus Süchten und Zwängen gelöst zu haben...

Psalm 23 nennt eine andere Frau: „Der Herr ist mein Hirte, er weidet mich auf grünen Auen...“ Klingt sehr süß in meinen Ohren, jahrelang war ich von der Not geplagt, meinen Lebensunterhalt bestreiten zu müssen mit Auftragsarbeiten als freier Journalist, ständig unter Druck, die nächste Miete und Rechnungen bezahlen zu müssen, jetzt hat sich das alles gelöst...wenngleich immer wieder Existenzängste wie dunkle Wolken über mich herziehen. Und doch wird mein Vertrauen in die Versorgung durch den Vater immer tiefer und ich werde immer entspannter in meinem täglichen Leben.

Ein Mann hat gar nichts innerlich empfangen, aber sagt, dass ihm klar geworden sei, dass Gott ihm etwas mitgeteilt habe durch Geräusche. Er habe nämlich zunächst Musik gehört, aus einem Nachbarraum und das Zwitschern der Vögel, dann sei ein Zug dazwischen gekommen und habe alles übertönt, schließlich sei wieder Stille eingetreten, totale Stille und dann wären auch die Vögel zurückgekehrt. Musik, die Vögel und Stille symbolisiere Gott und das Bewusstsein in Anbetracht der Gegenwart Gottes, der Zug symbolisiere das Getriebe der Welt, der Arbeit, der Ablenkung, der Unterhaltung... Gott wünsche sich, dass ich die Verbindung zu ihm nicht verliere im Lärm und Getriebe. Das kann ich sehr gut verstehen. Oft wird mir plötzlich bewusst, dass ich mir eben nicht bewusst war, dass Gott an meiner Seite ist, sondern dass ich verloren war im Getriebe der Sorgen, des gehetzt-Seins, der neuesten Neuigkeiten aus den Nachrichten-Magazinen, die während sie von den Schlechtigkeiten und Sensationen der Welt berichten auch immer nur das Eine wollen: Deine Aufmerksamkeit, Deine Zeit, Dein Leben. In dieser Beziehung können wir Christen viel von den Buddhisten lernen, deren oberstes Lebensgebot darin besteht, wach und sich seiner selbst bewusst zu sein. Wir können diese Aufmerksamkeit und Wachheit von ihnen lernen, diese Präsenz in der hellen Flamme der Bewusstheit, die sich für uns Christen aber nicht darin erschöpft, uns unserer selbst bewusst zu sein, sondern die Anwesenheit Gottes, des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes zu spüren, zu schmecken, in ihr zu baden.

Zum Schluss teilt mir der Leiter der kleinen Gruppe folgende kurze Geschichte mit, die er für mich empfangen hat:

Ich gehe einen Strand entlang, das Meer liegt klar und still da wie ein Spiegel, es ist Abend, kühl und ich genieße die Ruhe... Da sehe ich in dem Sand vor mir ein großes Herz gemalt und in dem Herzen steht mein Name: Ulrich

Das Herz hat Gott gemalt, ich erkenne die Liebe, die Gott für mich hat, bin erschüttert und zutiefst bewegt, tanze jubelnd um das Herz, laufe und hüpfe jubelnd weiter, strahle die Freude aus meinem Herzen aus, die Leute, die mich sehen, freuen sich mit mir.“

 

Als ich das höre,muss ich an Korfu denken, wo ich als junger Mann einmal eine ganze Woche ganz allein an einem abgelegenen Strand verbrachte, ein kleines Zelt hatte ich aufgeschlagen und mein Schlafsack lag darin. Dort saß ich dann meditierend im Sand und versuchte mich zu heilen von den Wunden, die ich empfangen hatte durch meine missglückten Versuche, einer Frau nahe zu kommen. Damals war ich kein Christ, eher Buddhist.... Irgendwann flossen dann die Tränen und etwas löste sich in mir und dann fing ich an mit Stöcken in den Strand zu zeichnen, große Wellen-artige tänzerische Figuren und auch dazu zu tanzen und zu singen, die Sonne war wieder in mein Herz gekommen und ich atmete auf. Ich glaubte damals nicht an die Existenz eines persönlichen Gottes, eher an die Existenz einer unpersönlichen rätselhaften Intelligenz und Bewusstheit, die alles Seiende durchwirkt. Weil es in diesem mysteriösen Netzwerk von Intelligenz aber keinen Ansprechpartner gab, fühlte ich mich auf eine seltsame Weise verloren und zu gleich aufgehoben. Da war immer etwas, was mich trug, die Hand Gottes, ich fühlte die Hand Gottes, intuitiv fühlte ich mich von der Hand Gottes getragen, hatte aber keinen Namen dafür und keine Möglichkeit, es zu beschreiben und zu verstehen, weil ich eben nicht mehr an Gott glaubte.

 

Gott spricht zu uns, das Wesen Gottes ist das Sprechen, wie der Apostel Johannes sagt: Gott ist das Wort, betonte Manfred Schmidt in seinem Vortrag ganz zu Beginn des Seminars. Schon die allerersten Zeugnisse von Gottes Wirken und Existenz reden vom Sprechen Gottes, denn Gott erschafft die Welt nicht durch seiner Hände Arbeit sondern durch Sprechen, er spricht die Welt in die Existenz. In gewisser Weise hat Gott die Welt nicht erschaffen sondern ersprochen. „Dann sprach Gott: „Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden (.....) So geschah es.“

Im Paradies sind die ersten Menschen in ständigem Gespräch mit Gott, sie sind Geschöpfe gewissermaßen auf Augenhöhe mit ihrem Schöpfer, die fähig sind, mit Gott auch zu sprechen, ihn zu hören, ihm zu antworten. Aus dieser intimen Nähe zum Vater werden sie durch ihr Vergehen verstoßen. Trotzdem gibt Gott das Gespräch mit den Menschen nicht auf, sucht Nähe, Verstehen, Austausch, Freundschaft. Das geht so gar so weit, dass Gott sich auf Diskussionen mit Menschen einlässt, seine Pläne ändert, weil ein Mensch ihm widerspricht, mit ihm verhandelt. Wie im Falle Abrahams, der protestiert, als er erfährt, dass Gott die Städte Sodom und Gomorrha vernichten will, weil sie zu sehr in abscheuliche Sünden verstrickt seien. Wie könne denn Gott die Stadt vernichten, wenn 50 Gerechte in ihr wohnten, sollte er die Stadt denn nicht ihretwegen verschonen? fragt Abraham. Gott lenkt ein und erklärt sich bereit, das zu tun. Da dämmert es Abraham, dass es wahrscheinlich so viele Gerechte in der Stadt gar nicht gibt und handelt die Zahl herunter, immer weiter herunter, bis er schließlich bei der kleinen Zahl von 10 Gerechten angekommen ist. Offensichtlich aus purer Freundschaft zu Abraham gibt Gott nach, selbst wenn es nur zehn Gerechte in der Stadt gebe, würde er sie verschonen.

In den heiligen Schriften ist es bezeugt, wie Gott immer wieder zu den Menschen spricht, durch Propheten, in Träumen, in Erscheinungen, zu einfachen Menschen, zu Königen und Herrschern. Und heute?

Heute soll er stumm sein, einfach verstummt?

Denn meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir“ sagt der Apostel Johannes ( Johannes, 10, 26 )

 

In einer anderen Gruppe sitzt eine ältere Frau um die vierzig neben mir, für die wir jetzt die Augen schließen, um für sie Nachrichten Gottes zu empfangen. Die Gruppen werden nach jeder Sitzung neu zusammengestellt, damit wir jeweils neue Teilnehmer vor uns haben, die wir noch nicht kennengelernt haben.

Einige Zeit lang sitze ich in der Stille und höre nichts und habe Angst, dass das alles sei...“Was ist denn jetzt, was soll ich ihr denn sagen?“ frage ich

Sofort höre ich deutlich:

Sag ihr, sie soll aufwachen: Aufwachen! Ein neuer Tag beginnt, ein fröhlicher Tag, ein Festtag, fröhliche Stimmen um sie, Gelächter, ein neues Leben fängt an....“

Da ich direkt neben ihr sitze, bin ich der Erste, der ihr seine Botschaft mitteilt und wieder bin ich überrascht, dass die Frau neben mir etwas ganz Ähnliches zu sagen hat: Sie sah ein Band, das durchgeschnitten wird. Etwas Altes sei zu Ende, etwas Neues beginne, so ihre Erklärung dazu. Eine andere Frau sah eine Frau in einem Sack, die raus will und im Sack herum tobt, um sich zu befreien. Ein Mann sah sie befreit fröhlich jubelnd herumtanzen! Andere sprechen ihr Mut zu, neue Schritte zu wagen.

Als sie selbst an der Reihe ist, ihr Feedback dazu mitzuteilen, bricht es aus ihr heraus;

Ich bin allein erziehend, meine Tochter ist drei und ich habe grade beschlossen, das muss aufhören, ich bin völlig fertig, ich arbeite und das ist so viel Stress, ich muss Überstunden machen, das halte ich nicht mehr aus, unbedingt, ich muss da raus, also das hat mir jetzt viel Mut gemacht, den Schritt auch zu tun.“ Auch sie ist den Tränen nahe.

 

In einer anderen Gruppe sehe ich die betreffende Frau über einen mit roten Rosenblättern bedeckten Weg einer großen roten Sonne entgegen gehen mit leichtem beschwingtem Schritt, hinter ihr taucht ihr Mann auf, sie dreht sich um und angezogen von ihrer leuchtenden Schönheit, eilt er auf sie zu, sie umarmen sich und gehen dann Hand in Hand weiter der Sonne entgegen. Diese Sonne ist Gott.

Die Frau neben mir führt die Geschichte weiter. Sie hat gesehen wie diese Frau an der Tür zu Gottes Wohnung steht und Gott sagt zu ihr: Komm rein! Komm rein ins Allerheiligste! Ich will mit Dir reden, setz dich!

Sie sagt später, heute sei ihr Hochzeitstag und heute morgen habe sie rote Rosen bekommen und ich habe sie vorher nur von weitem kurz gesehen, ich kenne sie nicht und da denke ich, das kann doch alles kein Zufall sein.

 

 

Was aber, wenn wir gar nichts hören, sehen, gar nichts empfangen?

Das käme durchaus manchmal vor, sagt Ursula Schmidt.

Vielleicht deshalb weil wir uns zu sehr unter Druck setzen und dieser Druck verschließt die Empfänglichkeit oder weil wir etwas Bestimmtes erwarten und dieses Bestimmte aber gar nicht kommt, sondern etwas anderes, was wir als falsch oder unpassend abtun, oder erst gar nicht wahrnehmen. Oder weil wir nicht gehorsam sind, denn das Hören müsse auch zum Gehorchen führen, sonst werde die Quelle irgendwann versiegen. Sie erinnere den seltsamen und außerordentlich seltenen Fall, dass in einer ihrer Gruppen in Nürnberg, die regelmäßig Fremde zu Abenden des hörenden Gebets einlade, eine Frau mehrmals erschienen sei, die eines Abends etwas erlebte, was in diesen Gruppen noch nie passiert sei: Kein einziger der sechs Teilnehmer habe für sie irgendetwas empfangen. Alle waren etwas bedrückt, weil keiner ihr irgendwas mitzuteilen oder zu geben hatte und auch die betreffende Frau verließ ganz betreten die Runde und hinterher fragten sich alle, woran das denn gelegen habe, ob bei Ihnen irgendein Problem vorliege, so was sei doch noch nie vorgekommen.

Aber dann ein paar Tage später habe sich diese Frau bei ihr gemeldet und gesagt, dieser Abend sei sehr bedeutungsvoll für sie gewesen, denn sie habe begriffen, dass sie etwas Wichtiges endlich tun müsse, von dem sie schon lange wisse, dass es zu tun sei und das habe sie in früheren Gebetsabenden bei ihr auch schon so gehört und dass sie jetzt gar nichts mehr empfangen habe, sei für sie ein deutliches Zeichen, dass jetzt schon genug geredet worden sei, jetzt müsse sie handeln. Hören sollte also auch zu Gehorchen führen, nicht nur Hören, was Gott sagt, sondern auch Tun, was Gott sagt.

Und dann gebe es auch die seltenen Fälle, dass Gott tatsächlich schweigt, viele bekannten Mystiker und außerordentlich Gott ergebenen Menschen hätten davon berichtet, das sei unter den Mystikern bekannt als die „Nacht der Seele“, wenn Gott unendlich fern zu sein scheint und sich scheinbar abgewendet habe, auch Mutter Theresa schreibt darüber in ihrem Tagebuch. In diesen Fällen solle man nicht verzweifeln, sondern das sei eine Herausforderung dazu, sich an seinem Glauben festzuhalten, seinen Glauben wachsen und stark werden zu lassen. Denn jetzt gibt es keine unmittelbare Erfahrung Gottes mehr, sondern nur noch den Glauben, dass Gott weiterhin da ist und einen liebt, auch wenn das so direkt nicht mehr spürbar ist.

 

Wenn man mit anderen Christen über die Erfahrung der Stimme Gottes spricht, hört man oft, die Stimme Gottes zu empfangen, sei eine Gabe, die Gabe der Prophetie, die eben nicht allen gegeben sei. Ursula und Manfred Schmidt sagen, sie sähen da statt einem Gegensatz ein Kontinuum zwischen dem was jeder empfangen könne und dem was besonders Begabte hören und sehen könnten. Das reiche also von sehr privat für einen selbst empfangenen kurzen Botschaften bis hin zu elaborierten langen Mitteilungen, die eine bestimme Gemeinde, eine bestimmte Gesellschaft, ja ganze Länder und Epochen beträfen. Jeder habe Zugang zur göttlichen Quelle, der besonders Begabte einen besonders leichten.

 

Ich denke, probiere es einfach aus. Lass dich darauf ein, nach innen zu schauen, stelle einen Raum der Stille her, entspanne dich, mach es dir auf einem Bett oder einem weichen Sessel bequem, wende dich vertrauensvoll mit deiner Aufmerksamkeit an Gott und schaue, was geschieht. Stelle Fragen, frage um Rat, was du tun sollst in bestimmten Situationen.

Nimm ernst, was geschieht, was du hörst oder siehst, zeichne es auf! Vielleicht ist ein Stück Gold unter den Steinen...

Abgesehen davon ist die schon offenbarte Stimme Gottes in der Bibel ein großer, umfangreicher und kostbarer Schatz, oft sind es bestimmte Stellen, die einem ins Auge springen und die genau das sind, was Gott einem in diesem Moment sagen will.

 

Das Wichtigste ist wohl, dass du lernst, zum Beobachter zu werden dessen, was in deinem Kopf vor sich geht. Sei aufmerksam für die inneren Geschehnisse, Bilder, Gedanken!

Wenn du wirklich Gott hören willst, dann sage es Gott!

Sag ihm: Bitte Gott, sprich zu mir! Bitte Gott, ich will dich hören!

Dann lausche!

Wenn du nichts hörst, versuche es später wieder.

Versuche es immer wieder!

Bitte Gott, zu dir zu sprechen!

Dann höre!

Und höre nicht nur unmittelbar danach!

Sei den ganzen Tag aufmerksam für das was in deinem Kopf vor sich geht!

Vielleicht sind diese Gedanken, die du als deine eigenen begreifst, Gottes Gedanken...

Sei aufmerksam!

 

Als das Seminar zu Ende ist, schlendere ich am Abend noch etwas durch Nürnberg und weil mein Bus früh morgens am nächsten Tag nach Berlin zurückfährt, hänge ich später im Bahnhof auf einer Drahtbank herum und müder werdend und immer düsterer im Gemüt kaufe ich mir auch noch aus einem Automaten eine Tüte von Gummimäusen, die mit scharf schmeckendem Brausepulver bestreut sind. Ich führe seit Jahren einen erbitterten Kampf gegen meine Sucht auf Süßigkeiten und das ist eine Niederlage. Ich kaue auf den Mäusen herum, die ich irgendwie ekelhaft süß empfinde, übertrieben süß, aber ich kann nicht aufhören und kaue weiter. Aus meiner Umnachtung heraus frage ich plötzlich aus irgendeinem Impuls heraus Gott um Rat.

Schmeiß die Süßigkeiten weg und geh zum Busbahnhof!“

hör ich ganz klar und deutlich.

Süßigkeiten wegschmeißen okay“, sag ich, „Aber wieso schon jetzt zum Busbahnhof, es ist doch erst halb zwölf, der Bus fährt um zwei?“

Es ist besser so!“

Es ist halb zwölf, mein Plan war um eins zum Busbahnhof zu gehen, der ist nur zehn Minuten vom Bahnhof entfernt. Ich kaue weiter, „Die Maus noch und die, aber okay, jetzt ist Schluss“, sage ich zu mir selbst, schmeiß die Tüte mit den Mäusen in den Abfalleimer, viele sind nicht mehr drin, gehe runter zu Schließfach, wo mein Gepäck verstaut ist und schlendere langsam zum Busbahnhof. Dort warten schon ein paar Leute auf den Bus nach Berlin, ich ziehe mein Ticket aus der Tasche und schaue es mir an und da dämmert es mir: 00:20 steht da. Das heißt nicht zwei Uhr Morgens, wie ich dachte, das heißt 20 nach 12. Ich frage meinen Nachbarn, der mit Gepäck am Bussteig steht und immer wieder auf die Uhr schaut, wann der Bus nach Berlin abfährt. „20 nach 12!“

Jetzt versteh ich. Hätte ich den Bus verpasst, hätte ich die ganze Nacht in Nürnberg zugebracht. Und zu Hause wartet die Mutter meines Kindes auf mich und ein kleines Kind, das ich gerne Mausi nenne, eine Maus, die wirklich süß ist.

 

 

Gott spricht

Angefangen hatte es damit, dass ich schon vor 15 Jahren in einer esoterischen Gruppe dazu angehalten worden war, mir eine Lichtsäule vorzustellen als Manifestation Gottes und dann dieser Säule Fragen zu stellen und auf Antwort zu hoffen. Zu meiner Überraschung sprudelten die Antworten nur so hervor und ich kam kaum nach, alles aufzuschreiben, was mir gesagt wurde. Ich nahm das staunend aber auch mit einer gewisse Skepsis entgegen. Ich hatte nämlich schon Jahrelang vorher ein autodidaktisches Training im Hören auf Gedanken hinter mir. Inspiriert von der Technik des „automatischen“ Schreibens, die die Surrealisten in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt hatten, lauschte ich meinem inneren Gedankenstrom und schrieb ihn einfach ab und auf. Die Surrealisten wiederum waren von Sigmund Freud inspiriert, der das „freie Assoziieren“, wie er es nannte, den ungesteuert dahin fließenden Gedankenstrom, als Material für seine Analyse und Therapie benutzte. Ein ähnliches Verfahren hatten schon die Buddhisten entwickelt in ihren Jahrhunderte alten Techniken der Meditation. Als ich vor 40 Jahren zum ersten Mal nach dieser Methode in mich schaute und meinen inneren Fluss der Gedanken beobachtete, staunte ich. Wie ein Schock traf mich die Erkenntnis, dass ich gar nicht denke, sondern dass die Gedanken kommen und gehen, ob ich will oder nicht. Sie haben ein Eigenleben, selbst wenn ich will, dass sie gar nicht kommen, kommen sie, sie lassen sich nur schwer stoppen oder lenken. Und dann: Wer ist es, der da denkt? Zum ersten mal nahm ich bewusst wahr, dass ich gar nicht dachte, sondern das Denken nur beobachtete.

Derjenige, der dachte und derjenige, der die Gedanken beobachtete, waren zwei verschiedene Wesen. Und derjenige der dachte, war ich nicht, ich war der Beobachter. Und dann tatsächlich, je länger es mir gelang, die Gedanken nur zu beobachten, ohne mich in sie zu verlieren, desto langsamer kamen sie und desto weniger wurden sie und dann plötzlich kam gar nichts mehr. Es war still.

Ich staunte: Ich war wach, aber ich dachte nicht. Ich schaute ins Leere. Das hatte ich noch nie erlebt.

Die Buddhisten bleiben an diesem Punkt stehen. Für sie ist das Nicht-Denken das höchste der Gefühle. An diesem Punkt schauen sie in das große Nichts, den Grund allen Seins. Den man natürlich auch Gott nennen könnte. Mystiker beschreiben die Einheit mit Gott aus dem Grund der Leere heraus, aus dem Schweigen heraus. Deshalb ist für sie die innere Stille so kostbar, die Brücke zu Gott.

Wenn man Gott sprechen hören will, ist die innere Stille eine vielleicht nicht unbedingt notwendige, aber doch sehr hilfreiche Voraussetzung, ansonsten kann man nur sein eigenes Gebrabbel hören.

Jeder weiß, wie man innerlich still werden kann, irgendwie... Oder nicht?

Wenn man es nicht weiß, dann könnte so eine buddhistische Meditationstechnik hilfreich sein.

 

Der Kern der Zen-Meditation besteht aus einer Methode der Kontrolle des inneren Bewusstseins-Stroms. Alles andere, was in den Jahrhunderten der Anwendung und Übung der Meditation an bestimmten Anweisungen noch dazu gekommen ist, wie bestimmte Körperhaltungen und Atemtechniken, ist nur Beiwerk, das mit dem eigentlichen Kern des Ganzen nichts zu tun hat. Ebenso sind bestimmte religiöse Interpretationen der Meditation nur Beiwerk, die zwar die Meditation in einem bestimmten Licht erscheinen lassen können, aber in ihrem Kern nicht prägen.

 

Die Technik der Bewusstseins-Kontrolle besteht darin, dass man nach innen schaut, und alles was im Kopf abläuft, einfach beobachtet, ohne sich in das zu verlieren, was abläuft und ohne in das einzugreifen, was abläuft. Man muss nur strikt darauf achten, sich bewusst zu bleiben, dass man nur beobachtet, was abläuft.

 

Je länger man in dieser Position des reinen Beobachters bleibt, was nicht so einfach ist, desto eher verschwinden die Gedanken, Bilder und Töne, je nachdem was sich da bewegt. Je länger man in der Position des bewussten Beobachters bleibt, desto schwächer wird das Geschehen, das sich vor dem beobachtenden Auge abspielt, und verklingt allmählich.

Einfach mal ausprobieren....Sehr schnell wirst du merken, dass Du dich schon wieder in den Gedankenstrom verloren hast, und das bedeutet, dass Du Dir nicht mehr bewusst bist, dass Du denkst, sondern dass Du unbewusst denkst. Dann musst du einfach wieder zurückkommen in die Position des bewussten Beobachters, immer wieder... immer wieder, je mehr du es übst, desto leichter fällt es und je länger du in der Haltung des bewussten Beobachters bleiben kannst, desto länger werden auch die Lücken im Gedankenstrom werden, das Schweigen wird sich ausbreiten, die Stille wird dir vertraut werden, diese geheimnisvoll Öffnung auf eine neue Welt, die ganz außerhalb dessen existiert, was Du denkst.

Innere Stille führt das Bewusstsein in die Wahrnehmung dessen was ist, hier in dem jeweiligen Augenblick des Hierseins in einem bestimmten Raum zu einer bestimmten Zeit in einem ganz bestimmten Körper.

Für Christen bedeutet die Wahrnehmung der Gegenwart auch die Wahrnehmung Gottes, denn Gott ist immer da. Gott ist abgesehen von der Hölle überall anwesend.

Oder ist Gott auch in der Hölle?

 

Eine bestimme Körperhaltung ist hilfreich um die Position des inneren Beobachters aufrecht zu erhalten, aber nicht notwendig. Hilfreich ist, einigermaßen aufrecht zu sitzen, weil eine liegende Haltung leicht schläfrig macht. Oft wird die Zen-Meditation auch im Zusammenhang mit bestimmten Atemtechniken gelehrt, aber diese dienen in der Regel nur dazu, das Bewusstsein wegzuziehen von dem inneren Gedankenstrom, dem inneren Kino, und hin zu lenken auf die Bewusstheit des Anwesend-Seins hier, jetzt, in diesem Moment.

Und das bedeutet auch, sich des Körpers bewusst zu werden, als die Verkörperung unseres Hierseins in der Welt, das bedeutet auch, sich bestimmter Gefühle bewusst zu werden und der unmittelbaren Umwelt, den Geräuschen, den Gerüchen: Irgendwo zwitschert ein Vogel, ein Auto fährt vorbei, ein Kind schreit weit entfernt....

Aber auch bei all diesen Dingen aus der unmittelbaren Nähe des Beobachters gilt es, sich immer wieder auf sich selbst als den Beobachtenden des Ganzen zurück zu besinnen und sich tief in dieses Bewusstsein hinein zu versenken, denn nur dort ist Stille.

 

Ich liebe dich

 

Von Anfang an hörte ich immer wieder die mich immer wieder überwältigende Botschaft, wenn ich Kontakt zu Gott aufnahm:

Ich liebe dich!

 

Aus dieser Lichtsäule heraus, hörte ich es zum ersten Mal, dann später, als ich Christ wurde, hörte ich es auch, immer wieder: „Ich liebe dich“ und besonders am Anfang, die ersten Tage, Wochen und Monate, als ich anfing, bewusst Gott anzusprechen, erschütterte mich dieser einfache Satz zutiefst und löste eine Flut von Tränen aus. 30 Jahre lang war ich weit weg von Gott gewesen, glaubte gar nicht mehr an die Existenz eines Gottes, geschweige denn eines liebenden Vaters im Himmel. Und dann das. So verloren kam ich mir vor in meinen Irrfahrten draußen in der kalten und gleichzeitig so heißen Welt, so zerschrammt, zerbeult, verkratzt und verletzt fühlte ich mich und dann diese liebende Stimme, die mir immer wieder ihre Liebe versicherte. Ich war nach Hause gekommen, der Vater hatte mich wieder bei sich aufgenommen...